Morricone in Cologne

Morricone

Die Musik von Ennio Morricone berührt mich schon, seit mir mein Bruder damals seine Super-8-Kurzfassung von „Spiel mir das Lied vom Tod“ vorführte. Jetzt durfte ich den alten italienischen Meister der Filmmusik in Köln erleben.

Die KölnArena ist einfach kein Ort für große Kunst. Es hängen Kabel von der Decke, es hängt überall wahllos hingeklatschte Werbung, es wird widerlichster Sekt ausgeschenkt, und die anscheinend einzige geöffnete Garderobe ist überfordert mit dem Andrang, ebenso wie der Eingang, vor dem sich eine absurd ringelnde Schlange bildet.

Es wollen ihn halt alle erleben – braun gebrannte Bildungsbürger, blasse Nerds mit Brille, und auch Wolfgang Voigt alias Mike Ink, Kölner Techno-Ikone, meine einzige Celebrity-Sichtung des Abends. Übrigens wie viele Besucher eigentümlich overdressed. Aber der Anlass ist ja auch ein besonderer.

Wohl zum letzten Mal dirigiert der 87-jährige Morricone im Rahmen der Tournee ein großes Orchester – es stehen um die 160 Männer und Frauen auf der Bühne – durch eine Auswahl seiner Werke. Darunter natürlich „Chi Mai“, „1900“, „Mission“, die Musik der Leone-Epen und die erst kürzlich entstandenen Stücke für Tarantino.

Nach und nach entfaltet sich das Orchester in seiner ganzen Pracht – mit Einbrüchen im Sound nur dann, wenn ein Schlagzeug gespielt wird und von der Rückseite der Halle aus alles im Echo-Brei zermatscht – und die Stücke treiben mir Kloß auf Kloß in den Hals. Als die Sopranistin zu „Jill’s Theme“ ansetzt, bin ich längst am Schluchzen.

Immer wieder steht der sonst mit dem Rücken zu uns sitzende Morricone auf, dreht sich um und verneigt sich langsam, um dann wortlos weiter zu dirigieren. Es bedarf keiner Ansprache, die Musik ist groß genug und entsprechend der Applaus. Als Zugaben werden ein paar Highlights nochmals gespielt.

Am Ende bin ich aufgewühlt und erschöpft und hätte doch so gerne noch so viel mehr gehört: Die Musik aus dem wunderschönen „Cinema Paradiso“. Das Thema des tieftraurigen Schnee-Westerns „Leichen pflastern seinen Weg“. Oder auch die Melodie von „Mein Name ist Nobody“ – überhaupt, es gab gar keine gepfiffenen Stücke?!

Muss ich halt einfach noch mal die Filme mit seiner Musik schauen und mich in diesen großen Werken verlieren. Und ich kenne längst noch nicht alle. An dieser Stelle aber erstmal Danke meinen Freunden, die mir die Karte für dieses einzige Deutschland-Konzert der Tour schenkten – und natürlich Ennio Morricone!