Meine Top 3 Sneaker 2015

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Nachdem ich bereits ein paar Jahre als Managing Editor bei Sneaker Freaker Deutschland tätig war, durfte ich die Redaktion 2015 als Chief Editor leiten – doch zum Herbst hin veränderte sich dort hinter den Kulissen so einiges, dann wurde ich Vater und verabschiedete mich erst mal aus dem Lifestyle-, Sneaker- und Redaktions-Biz.

Inzwischen sitze ich nun wieder häufiger am Schreibtisch – davon wird auf diesem Blog noch zu lesen sein. Starten möchte ich sesner.com allerdings, indem ich das letzte Jahr im Hinblick auf Sneaker zu einem würdigen Abschluss bringe: Mit meinen Top 3 von 2015.

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J.Crew x New Balance M998HTB „Hill Top Blues“

Der 998er hat sich zu meinem absoluten Lieblingsmodell von New Balance entwickelt. Die Passform ist großartig, der Schuh ist nicht zu weich und lässt sich über Stunden gut tragen. Und er altert gut – die Laufsohle nutzt sich kaum ab, und der ganze Sneaker wird mit der Zeit schluffiger, beult aber nicht aus, sondern kriegt eher noch einen tieferen Shape. Und natürlich, es gibt einige gute Kollaborationen auf dem 998. Da sind die von J.Crew unter meinen Favoriten, zumal diese hierzulande kaum jemand kennt, nicht zuletzt weil J.Crew in Deutschland keinen Laden hat und ihre Modelle inklusive Zoll und Porto keine Schnäppchenware darstellen.
Nachdem ich im Januar in New York City bereits einen meiner All-Time-Gräle – nämlich den 998JC3 in Blau und Military – ergattern konnte, musste im Juli auf einem Trip nach Boston der „Hill Top Blues“ ran, einer der aktuelleren 998er von J.Crew: Brauner Mudguard und blaues Overlay auf dem 998-eigenen Mesh in Creme, dazu rote Akzente auf Zunge, Seite und Midsole – amerikanischer wird es nicht. Klar, so was gefällt auch fiesen Fratboys und heimlichen Trump-Anhängern, aber der Colourway ist einfach so stimmig, so fresh, und er passt großartig zu Selvedge-Denim. Bruce Weber wartet schon (und spricht Italienisch).
Bin gespannt, wann mich wieder das J.Crew-998er-Fieber ereilt. Derzeit macht mich das Sortiment in der Hinsicht nicht heiß  – der aktuell erhältliche „Night Hawk“ ist mir zu nah am mutlosen schwarz-blauen Fieg-998er aus dem Dezember, und der „Royalty“ hat zuviel Grün. Wobei, den müsste man mal live sehen. Das ist nämlich wirklich eine der Besonderheiten am 998er und speziell der J.Crew-Modelle ­– man muss sie definitiv am Fuß erleben. So wie eigentlich ja jeden Schuh.

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Wings + Horns x Adidas Stan Smith PC

Was sich 2014 schon ankündigte, wurde im letzten Jahr bestätigt: Adidas ist wieder voll da. Bereits im Januar durfte ich beim großen Launch des UltraBoost in NYC dabei sein, und mit den diversen Yeezies und jetzt zuletzt im Dezember dem NMD wurde und wird das Thema „Boost“ weiter durchgespielt. Mir gefällt der UltraBoost in dieser Reihe nach wie vor am besten, besonders die vor kurzem erschienene Cageless-Variation macht das Versprechen wahr, was Ear To The Street bereits im Sommer mit einem Custom abgab. Doch so richtig mein Herz erobern konnte Adidas 2015 mit einem so unprätentiösen wie luxuriösen Drop: Eine Capsule Collection mit Wings + Horns.
Kennenlernen durfte ich die kanadische Edel-Cotton-Schmiede zuerst durch das Ace Hotel in London, wo in jedem Zimmer Bademäntel von Ihnen hängen – die sich dadurch auszeichnen, dass sie eher Hoodies sind, aus der üppig-weichen Baumwolle der Marke, mit großer Kapuze und Bündchen an den Ärmeln. Leider teuer. Zu ihrer Kollektion mit Adidas gehörten auch zwei Stan Smith, und nachdem ich diese eine Weile aus dem Sinn verloren hatte, tauchte das schwarze Modell beim Black-Friday-Sale von Colette schließlich wieder vor mir auf und wurde flugs bestellt. Seither habe ich sie nicht wieder im Netz gesehen.
Die Verarbeitung von Stan Smith kann durchaus schwanken, doch bei diesen hier wurde nichts dem Zufall überlassen: Das Horween-Leder ist außen sauber geprägt und widerstandsfähig – dabei aber weich genug, um die Falten an den richtigen Stellen zu werfen – und innen schön naturbelassen und fransig. Auch ist das Leder nicht umgenäht, das macht den Schuh schlanker. Obwohl ich ihn nun schon oft getragen habe, bleibt die Toebox in ihrer runden Form – keine Selbstverständlichkeit bei einer Größe von US12, da hatte ich bei früheren General-Releases des Stan Smith gerne mal einen vertikalen, hässlichen Knick bis hoch zum Lacing. Und dann sind sie innen mit einer Ortholite-Sohle ausgelegt und einem Fußbett aus dem besagten dicken dunkelgrauen Cotton von Wings + Horns. Ein simpler, sauberer, richtig gut gebauter Schuh, der beiden beteiligten Firmen alle Ehre macht und zu wirklich allem passt.
Apropos: Ich schaue jetzt noch mal nach dem Bademantel, der ist einfach zu geil.

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Afew x Asics Gel-Lyte III „Koi“

Für mich das absolute Highlight im vor Highlights nur so strotzenden Sneaker-Jahr 2015. Ich hatte ja schon zu seinem Erscheinen Ende Mai ein paar (leider nicht mehr verfügbare) Zeilen zum immensen Hype um den Release geschrieben. Über ein halbes Jahr später kann ich das alles noch so unterschreiben und hinzufügen, dass es meiner bescheidenen Meinung nach auch in der Rückschau im Jubiläumsjahr des Gel-Lyte III mit seinen monatlichen Highlight-Kollaborationen keine Variation gab, die das Koi-Paket toppen konnte.
Anders als beim Großteil der Zusammenarbeiten zwischen Sneaker-Brands und Shops existiert rund um den Koi eine authentische, Jahre währende Geschichte. Der Schuh basiert auf einem Einzelpaar, dass sich die Afew-Macher zum Düsseldorfer Japan-Tag 2013 von einem Schuster anfertigen ließen – einfach, weil sie Bock drauf hatten und etwas Besonderes zeigen wollten. Das Paar erregte weltweit Aufmerksamkeit und man konnte bald davon ausgehen, dass dieser Colorway irgendwann offiziell erscheinen würde. Zum 25. Jubiläum des Modells war es dann endlich so weit, und das Ergebnis hat wirklich niemanden enttäuscht. Außer vielleicht die, die den Schuh nicht bekamen.
Von der eigens zum Instore-Release gezimmerten limitierten Holzkiste über die diversen Gimmicks (rote Essstäbchen mit eingefrästem Afew-Logo! Laces in eigens gebrandeten Gläschen!) bis hin zum Schuh selbst, der eine solche Vielzahl an Details – vom gepunkteten Laufsohlen-Segment über die diversen Mesh- und Leder-Materialien auf dem Upper bis zu den Lace-Ösen aus Holz (!) – aufweist: Der Koi ist ein so ambitionierter Sneaker, dass seine Ausführung auch hätte schief gehen können. Aber dieser Gel-Lyte III braucht nicht in einem Aquarium ausgestellt werden, sondern ist absolut tragbar. Und daher werde ich den auch 2016 oft und gerne tragen.

Danke an Nelson aka Sneakerskills für das schöne Pic vom “Hill Top Blues”!

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